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Sandra und Florian 2019 in Neuseeland

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Freitag, 10. April 2026 19:02

Tagebücher 1982-1985

Zur Zeit lese ich aus furchtbar nostalgischen Gründen meine alten Tagebücher. Das erste hatte ich zu meinem 10. Geburtstag 1982 geschenkt bekommen, wusste damals aber noch nicht so recht, was ich damit anfangen sollte. 1984 hatte ich mal etwas mehr geschrieben, dann aber wieder pausiert. Aber ab 1985 hatte ich es fast lückenlos geführt, nachdem wir "Das Tagebuch der Anne Frank" in der Schule gelesen hatten. Es ist eine phantastische Reise in die Vergangenheit.


Pferde

Ich war schon immer tierlieb gewesen, aber Pferde hatten es mir ganz besonders angetan. Meine Eltern wussten gar nicht, was sie damit anrichten, als sie mich mit mit etwa 7 Jahren das erste Mal auf ein Pony setzten. Ich glaube, es existiert davon sogar ein Super 8-Film. Auf diesem Ponyhof Pflaumdorf war ich am liebsten, weil ich dort einfach auf der Reitwiese, im Rundgang oder ins Gelände reiten konnte, statt in der Halle im Kreis. Lange war mein Lieblingspferd Kim, aber ich bin damals 1984 tatsächlich das erste Mal auf Shiras geritten, der später mein erstes, eigenes Pferd werden sollte. Ich gewöhnte mir dadurch allerdings viele falsche Dinge an, die mir bis heute Probleme bereiten. Zum Beispiel nehme ich immer noch die Schultern zu weit vor oder ziehe die Knie hoch.

Auf dem Bild ist Sandra als 11jähriges Mädchen zu sehen, das ihre rechte Hand um den Kopf eines fuchsfarbenen Ponys mit Wuschelmähne und einer unregelmäßigen Blesse gelegt hat. Das Pony trägt eine etwas zu große Trense, deren Zügel Sandra in der anderen Hand hält. Sie trägt eine weiße Strickjacke und dunkle Jeans. Im Hintergrund sieht man den Ponyhof, Kies und die Zäune, in denen Kutschwagenräder eingearbeitet sind. Dahinter der Wald.

1984 bin ich ein paar Mal in der Reitschule Fürstenberger gewesen, die oben auf dem Tierparkbergl war. Heute würde man Pferde so gar nicht mehr halten, in engen Ständern, ohne Auslauf, mit einer Wellblechhalle. Ich verschlang tonnenweise Pferdebücher, auch Fachliteratur. Deshalb glaubte ich auch, ein Experte auf diesem Gebiet zu sein.

Ich war noch in der Grundschule, da hatte meine Oma in der DDR sich über die Sommerferien 1980 zwei Ponys namens Mary und Pia ausgeliehen, die einfach im Garten standen. Opa hatte für sie einen Unterstand und Zaun gebaut. Das war das Paradies auf Erden. Auch danach organisierte sie immer wieder in den Ferien, dass ich irgendwo reiten konnte. Meist waren mir die Pferde aber etwas zu groß, ich mochte lieber Ponys.

Auf einer Wiese stehen zwei Ponys, vorn eine Braunschimmelstute mit einer Wunde am Hals und Halfter, dahinter ein dunkelbraunes Fohlen mit heller Kruppe, das noch das flauschige Fohlenfell hat. Dahinter sieht man den Zaun, ein paar Bäume, ein gelbes Haus und weite Weizenfelder. Der Himmel ist grau.

In den USA bei Verwandten hatte ich für einen Monat das Pferd Hardford gemietet, von dem ich meinen ersten Sturz erleben musste, und mir bewusst wurde, dass ich auch hätte sterben können. Und mit einem Arbeitskollegen von meinem Papa durfte ich auch in der Nähe vom Starnberger See ausreiten, auf einem Norweger namens Titus. Mit dem war ich allerdings ein wenig überfordert.

Da ich nicht allzuviel Gelegenheit hatte, auf echten Pferden zu reiten, habe ich mich oft in Phantasiewelten geflüchtet, entweder indem ich gelesen habe, oder Pferdegeschichten geschrieben. Ich war extrem produktiv, insbesondere als ich irgendwann auch die Schreibmaschine meiner Mama ausleihen durfte. Und gezeichnet habe ich Pferde und Ponys in allen möglichen Lebenslagen. Ich habe mir meine Phantasiewelt "Gut Horseback" zusammengesponnen. Der Hof war in "Reithofen", was witzigerweise in der Nähe von Felix' Stall ist, meinem zweiten und letzten eigenen Pferd. Damals träumte ich noch vom eigenen Pferd, aber meine Eltern hatten nicht so wahnsinnig viel Geld und sagten, dass es nicht die Anschaffungskosten, sondern die laufenden Kosten seien, die sie abschrecken. "Und was machen wir mit so einem Pferd, wenn du dich irgendwann mehr für Jungs interessierst? Sollen wir es dann in den Schrank stellen?"


Star Trek

Über Star Trek habe ich tatsächlich nichts geschrieben. Dafür hatte ich ein separates Heft, in das ich Zeitungsausschnitte sammelte und meine Gedanken festhielt. Ich glaube, dass ich das ebenfalls bereits vor der Schulzeit gemeinsam mit meinem Papi angeschaut habe. Aber ich merkte schnell, dass ich mit dieser Begeisterung ziemlich alleine da stand, und dass ich wie ein weltfremder Spinner ohne Realitätsbezug angestarrt wurde, wenn ich von Mister Spock schwärmte. Also behielt ich meine Leidenschaft eher für mich. Pferdenarrisch zu sein war gesellschaftlich akzeptiert, also nervte ich alle eben damit.

Mister Spock war mein Idol. Als Mister Spock am Ende von "Star Trek II - Der Zorn des Khan" starb, war ich erschüttert. Da er der Wissenschaftsoffizier der Enterprise war, interessierte ich mich auch schon früh für solche Themen. So schaute ich regelmäßig "Aus Forschung und Technik" mit Joachim Bublath. Mit meinem Papi habe ich mich auch über das Universum und den Big Bounce unterhalten. Heute ist der wissenschaftliche Konsenz eher der Big Freeze. Überhaupt war ich ein Input-Hirn, das ständig neues Wissen aufsaugte.

Manchmal habe ich auch etwas zu viel rumgehirnt, z.B. wenn ich seitenlang versucht habe, meine Träume zu deuten. Oder geforscht, wenn ich am Freitag, den 13. den ganzen Tag notierte, was für ein Glück ich hatte, um zu beweisen, dass das alles nur Aberglaube ist.

Ein hellblau gesprenkeltes DIN A5-Schulheft, aus dem in Grundschulschrift 'Ich bin ein Trekkie - Raumschiff Enterprise (Unternehmungsgeist)' steht. Es ist schon etwas zerfleddert und in die Jahre gekommen.


Musik

Ich mochte damals Falco, Nik Kershaw und a-ha. Aber als ich die Dokumentation "25 Jahre Beatles" gesehen hatte, war ich plötzlich Feuer und Flamme. Von meinem Onkel habe ich dann eine Musikcassette mit einigen Songs geschenkt bekommen, die ich heute (im Rahmen meiner Möglichkeiten) noch fast textsicher nachsingen kann. Damals war mein Englisch noch nicht so gut, weshalb ich gerne auch Mal Worte erfunden habe. Mein Vater konnte auf dem Klavier bei meiner Oma (seiner Mutter) auch "I Want to Hold Your Hand" spielen.


Western

Ich schaute sehr gerne Western (z.B. "Western von gestern" und "Winnetou"), mein Papi wegen der Waffen, ich wegen der Pferde. Ich hatte von meiner ersten USA-Reise auch einen Cowboyhut mitgebracht. Westernreiten war aber nicht so weit verbreitet, weshalb ich bis dahin das noch nicht selbst ausprobieren konnte. Ich habe aber versucht, nicht "Indianerfrau" zu schreiben, sondern "Squaw". Heute weiß ich, dass dies ein abwertender Begriff ist und nicht mehr verwendet werden sollte. Karl May war irgendwie doch ein Ignorant.


Kino

Der prägendste Film dieser Zeit war wohl "Die unendliche Geschichte". Ich war total in Atréju verliebt und fand sein Pferd Artax wundervoll. Heute hat Felix eine geflochtene Trense, ähnlich wie Artax damals trug, als er im Moor versank. Auch der Name Noah vom Schauspieler Hathaway gefiel mir. Das könnte bei der Namensgebung einer meiner Söhne eine Rolle gespielt haben.

Und vielleicht noch "Star Wars - Das Imperium schlägt zurück", auch weil dort Reittiere, die Tauntauns vorkamen, und die AT-ATs auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Pferden hatten. Das war soviel ich weiß der erste Star Wars Film, den ich gesehen habe.

"E.T." hatte ich mich noch nicht getraut anzuschauen, weil ich die Figur irgendwie gruselig fand. Mein Papi wäre da schon gerne mit mir ins Kino gegangen.


Freunde

Ich hatte doch einige Freundinnen, manche waren jünger als ich. Damals hatte ich auch noch recht viel telefoniert. Aber auch sehr viele Briefe geschrieben. Mit ziemlicher Treffsicherheit habe ich mir gerne die Außenseiter rausgesucht. Zum Beispiel war im Hort ein Mädchen mit Narben im Gesicht, die ihr Augenlid nach unten zogen, so dass sie häufig Probleme mit einem trockenem Auge hatte. Ich habe sie nie gefragt, wie das passiert ist, ich habe das einfach so hingenommen. Vielleicht war es das, was sie an mir mochte.

Besonders gern habe ich nicht telefoniert, meistens diente das nur dazu, um sich zu verabreden. Aber mein Hörtest in der Schule war damals noch einwandfrei gewesen, allerdings ging er nur bis 8.000 Hz. Es wäre interessant gewesen, wie niedrig meine oberste Hörgrenze damals schon gewesen ist. Denn im Deutschen Museum hatte ich beim Lautsprecher mit der obersten Hörgrenze des Menschen nichts gehört, aber gespürt, dass der Lautsprecher vibriert. Damals hatte ich gedacht, meine Schulkameraden würden mich veräppeln, aber dann wurde mir bewusst, dass ich tatsächlich nicht in der Lage war, hohe Töne wahrzunehmen, egal wie laut sie waren. Und ich wusste, dass ich genau wie mein Papa und meine Oma väterlicherseits eines Tages damit Probleme bekommen werde. Meine Welt war wohl schon immer dumpf.

Jungs spielten natürlich auch eine Rolle. Ich war alle paar Wochen in jemand anderen verknallt. Ein Name kommt sehr häufig vor: Peter. Allerdings war er nur ein Kumpel, mit dem ich mich "normal" unterhalten konnte. Auf der Party beim Skilager ist er gleich umgedreht, als der den Raum betreten hatte. Hätte ich auch machen sollen, weil ich mich als Pipi Barfuß mit meinem improvisierten Kostüm (weil ich total verpeilt hatte, dass Fasching war) in Grund und Boden geschämt hatte. Von da an wollte ich irgendwie zu den "coolen Typen" gehören.


Körperbild

Deshalb hatte ich auch kein gutes Körperbild. Heute weiß ich, dass ich eine Hormonstörung hatte, die dazu führte, dass ich ständig ans Essen denken musste. Es bildete sich eine Birnenform heraus, der sogenannte gynoide Adipositatstyp, der nur Mädchen/Frauen betrifft und ziemlich sport- und diätresistent ist. Angefeuert auch von den superschlanken Frauen in Film, Fernsehen und Werbung habe ich natürlich ständig versucht abzunehmen, aber mit mäßigem Erfolg. Ich gab mir die Schuld daran, dass ich etwas zugenommen hatte. Ich wusste es einfach nicht besser.


Wünsche zu Silvester

Meine Wünsche zu Silvester waren dann wenig egoistisch. Kein Atomkrieg, gerechter verteiltes Essen, wenig Naturkatastrophen, weniger Arbeitslosigkeit, mehr menschliche Politiker... Und für mich gute Schulverhältnisse, Gesundheit, ein bißchen Glück und erfüllte Wünsche, Zufriedenheit und Erfolg.

Irgendwie mag ich dieses 13jährige Mädchen, das ich damals war.

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Last Update: 27.06.2022

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