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Montag, 18. April 2022 21:40

Die fetten Jahre sind vorbei

Über dieses Thema habe ich schon ein paar Mal geschrieben. Und es regt mich auf, dass alles schon lange bekannt ist und zu wenig dagegen getan wird. Der Umgang mit Ressourcen, die Abhängigkeit von Öl, der dekadente Tourismus, der Klimawandel, der allen Profiteuren von fossilen Brennstoffen nicht schmeckt und die ihn deshalb leugnen, verunglimpfen und nicht wahr haben wollen, die Wegwerfmentalität und das Ende der Fahnenstange...

Wir stehen eigentlich ganz gut da, unser Häuschen wird mit Geothermie geheizt und rechts und links von Nachbarn gedämmt, wir wohnen in guter ÖPNV-Anbindung und haben derzeit einen sparsamen Hybrid. Ich würde mir gerne als Nachfolger, wenn der TÜV uns scheidet, ein E-Auto kaufen, aber da unser Auto nicht in einer Eigentumstiefgarage steht, sondern in einer Garage, die einer GmbH gehört, nachdem das Konzept autofreier Stadtteil fehlgeschlagen ist, greift bei uns die WEG-Reform bzgl. Wallboxen nicht. Das bedeutet, dass ich, da ich leider nicht idealistisch bin, wenn es unbequem wird, abwarten werde, bis unser Tiefgaragenvermieter irgendwann selbst Wallboxen zur Verfügung stellt. Ich hoffe, dass er dazu bald gesetzlich verpflichtet wird.

Ich habe auch nicht allzu große Angst vor der Inflation, die nun gerade zwangsläufig stattfindet und nur durch Corona und Putins Krieg nochmal beschleunigt wird. Geld kann man halt nicht essen. Ich hoffe nur, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, nachdem man die Bankenregulierung weitestgehend wieder demontiert hat und die Schere zwischen Arm und Reicht sich damit in immer schnellerem Tempo weitet. Dieses Ungleichgewicht wird noch böse Folgen haben, zusätzlich zu den Folgen der Klimakatastrophe.

Aber ich persönlich kann sehr sparsam leben, das weiß ich. Ich war Studentin mit wenig Unterhalt und ohne Bafög. Ich war alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern und einem alten, chronisch kranken Pferd. Ging alles. Wir verdienen mehr, als wir ausgeben. Solange wir also unsere Jobs behalten, werden wir einen Teil auffangen können. Manchmal mache ich Florian etwas narrisch, wenn ich z.B. einen Pfannenwender mit Wackelgriff noch ewig benutze, da er seinen Zweck noch erfüllt, bis der Griff komplett abfällt. Aber so bin ich. Sohnemann übrigens auch, weil ich Socken mit Löchern nicht wegwerfen darf. Konsum oder Shopping war für mich nie eine Freizeitbeschäftigung. Vielleicht habe ich das Sparsamkeitsgen von meinem Opa geerbt.

Und dann kommt mir noch die Erfahrung meiner DDR-Verwandschaft/-Vergangenheit zu Gute. Damals hat man sich mit der Mangelwirtschaft errangiert. Man hat die Dinge gekauft, wenn es sie gab, nicht wenn man sie brauchte, weil es sie dann vielleicht gerade nicht gab. Das führte dazu, dass wir im Haus meiner Großeltern nach deren Tod acht Garnituren Bettwäsche, zwei Bügeleisen, ein Handrührgerät und einen Kühlschrank vorfanden - originalverpackt. Ihr Kaufverhalten haben sie nach der Wende nicht gleich ganz abgelegt.

Und nicht zuletzt hat mir ein ehemaliger Arbeitskollege, als ich mit 19/20 eine lange depressive Phase hatte, gesagt, dass solange ich ein Bett habe, in das ich abends kriechen kann, und genug zu essen, dass ich alles habe, was ich brauche.

Ich bin gespannt, ob die Menschheit das Ruder noch herumreißen kann...

Thema: Sonnenstrahl
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09.01.2012 13:04 Clicks: 1101377

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