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Donnerstag, 11. Juni 2020 17:01

Präventionsparadox

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich habe schon in meinem Blog über Dr. Wodings geschrieben, dass es wohl sehr schwierig sein würde zu beweisen, wieviele Leben durch die Maßnahmen geretten sein würden, was dann eben den Coronaskeptikern Wind in die Segel blasen würde. Später lernte ich, dass es dafür sogar einen Namen gibt: Präventionsparadox(on), das auch für die Impfbereitschaft der Bevölkerung negative Auswirkungen hat.

Wie wir anhand der offiziellen Daten sehen können, gibt es einen Trend, der sich ungefähr um den 15. März herum umkehrte. Von da an sanken die geschätzten Zahlen der täglichen Neuerkrankungen.

Zur Erinnerung:

Maßnahmen/Ereignisse Anzahl Neuerkrankungen ca. 10 Tage später (5-Tagesmittel)
ab 08.03.2020 Deutschland: Verbot von Massenveranstaltungen ab 1000 Teilnehmer auf ca. 5300
11.03.2020 WHO ruft Pandemie aus, Empfehlung von Hygieneregeln, Abstandsgebote, Nies- und Hustetikette 15.03.2020 Höhepunkt ca. 6000
16.03.2020 Deutschland: Schließung von Kitas und Schulen ca. von 5200 auf 4100
21.03.2020 Bayern und Saarland (die am stärksten betroffenen Bundesländer): Ausgangsbeschränkung ca. von 4700 auf 3800
22.03.2020 Deutschland: Verbot von Versammlungen unabhängig von der Größe ca. 4600 auf 4000
23.03.2020 Deutschland: Ausgangsbeschränkung ca. 4400 auf 3600
06.-14.04.2020 Jena: Maskenpflicht Musterbeispiel Jena: Forscher bestätigen Wirkung von Masken 
20.-27.04.2020 Deutschland: Einführung der Maskenpflicht ca. von 1400 auf 900
ca. von 1000 auf 700

Ohne jetzt auf der Ungenauigkeit der Zahlen herumzureiten, sieht man doch sehr deutlich, dass all diese Maßnahmen und auch die vorausgeeilte Vernunft der Menschen (siehe Handydaten) dazu geführt haben, dass die Anzahl der Neuerkrankungen deutlich zurückgegangen ist. Die stärkste Wirkung scheint hierbei die Ausgangsbeschränkung sowie das Verbot von Versammlungen gebracht zu haben. Und ich weiß, Korrelationen sind kein Beweis. Und Coronaskeptiker werfen sicher ein, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass die Zahlen nicht auch ohne all diese Maßnahmen zurückgegangen wären. Ob die Freiwilligkeit nicht ausgereicht hätte, wie in Schweden?

Eine Studie besagt, dass der Shutdown 60 Millionen Coronainfektionen in den USA verhindert haben könnte, laut Washington Post. Und auf BBC ist zu lesen, dass der Lockdown in Europa etwa 3 Millionen Leben gerettet haben könnte. Coronaskeptiker werden diesen Studien keinen Glauben schenken und behaupten, sie dienen nur der Gerechtfertigung der Maßnahmen. Und es ist auch schwierig bis unmöglich, anhand der ungenauen Daten handfeste Beweise zu liefern.

Ebenfalls zur Erinnerung: Die Maßnahmen wurden ergriffen, um den exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen einzudämmen, also die Kurve abzuflachen. Außerdem wurden als weitere Maßnahme in Deutschland die Krankenhauskapazitäten aufgestockt, die Anzahl der Intensivbetten von 28.000 auf 40.000 erhöht, ebenso die Anzahl der Beatmungsgeräte. Außerdem wurden nicht lebensnotwendige Operationen verschoben und das Personal aufgestockt (auch Aushilfskräfte wie mein Sohn), so dass man tatsächlich sagen kann, dass Deutschland ganz gut vorbereitet war. Die L**chenberge und das überlastete Gesundheitssystem sind uns erspart geblieben, und darüber bin ich heilfroh. Nun sind die fehlenden Fallzahlen aber ein Problem, weil sie Coronaskeptikern in die Hände spielen.

The Hammer and the Dance: Die strengen Maßnahmen werden auch "der Hammer" genannt. Der Zeitfaktor war meines Erachtens immens wichtig, weshalb ich es nach wie vor gutheiße, dass Bayern schon zwei Tage vor dem Rest von Deutschland die Ausgangsbeschränkungen auferlegt hat, auch auf Druck der Bevölkerung. Ohne Verbote geht es eben leider nicht, wie die Geschichte der Gurtpflicht zeigt. Der Hammer ist nun vorbei und es war mir von Anfang an klar, dass die Maßnahmen erst einmal nur vorübergehend sein würden.

Aber ich möchte an dieser Stelle noch einmal anmerken, dass wir wesentlich weniger strenge Maßnahmen hätten ergreifen müssen, wenn die Bundesregierung und die EU ähnlich wie die SARS-gepeinigten asiatischen Länder einen Pandemieplan in der Schublade gehabt hätten und die Bevorratung von Schutzbekleidung nicht dem neoliberalen Sparkurs zum Opfer gefallen wäre.

Auch ein Paradox: Denn hätten wir genügend Schutzkleidung bevorratet gehabt, hätten wir einen Pandemieplan gehabt, hätten wir die Asiaten nicht wegen ihre Masken belächelt, hätten wir, um der Wirtschaft nicht zu schaden, nicht so lange gezögert... dann hätten wir der Wirtschaft keinen so immensen Schaden zufügen müssen, um die Pandemie einzudämmen. Das nächste Mal, ob bei einer zweiten Welle oder gar einer neuen Pandemie, werden die Entscheidungsträger hoffentlich besser vorbereitet sein.

Wir befinden uns jetzt im "Tanz". Wir lernen jetzt mit dem neuen Virus und einer weiteren Angst zu leben.

Und dazu gehört eben auch, dass manche einfach nicht glauben wollen, dass vielleicht eine Katastrophe in Deutschland verhindert wurde.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Süddeutsche (27.04.2020): There is no glory in prevention - Corona-Vorsorge

NDR Coronavirus-Update mit Christian Drosten (48) (11.06.2020): There is glory in prevention

Telepolis (13.06.2020): Haben die Lockdown-Maßnahmen die Ausbreitung der Pandemie und die Zahl der Toten reduziert? - noch mehr Studien und recht bunte Ansichten der Foristen

Spektrum der Wissenschaft - Podcast (17.06.2020): Die irren Formeln einer Pandemie - die verlinkten Studien werden kritisch hinterfragt

Statnews (19.06.2020): How many needless Covid-19 deaths were caused by delays in responding? Most of them

ntv (28.06.2020): Radikal richtig gemacht

Spektrum der Wissenschaft (26.06.2020): Wie das Virus den Körper verwüstet

Neue Zürcher Zeitung (07.07.2020): Eindämmung, zweite Welle oder gar nicht aus der ersten heraus: Welche Länder im Kampf gegen Covid-19 Erfolg haben – und welche nicht

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