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Sandra's Blog-Archiv

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Sonntag, 10. Mai 2020 17:01

Wunschzettel

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Als die Corona-Katastrophe begann, wurden so viele eklatante Schwächen des Turbokapitalismus, der Globalisierung und der auf Gewinnmaximierung getrimmten Gesundheitssysteme schlagartig aufgedeckt, dass manche linksgrün-verklärte Gutmenschen und Träumer schon zwangsläufig eine neue Weltordnung kommen sahen. Mittlerweile muss man das jedoch relativieren, da die Kräfte, die durch den Wunsch der Menschen nach einer vermeindlichen Normalität enorm sind. Das mag einerseits bedauerlich sein, andererseits führt das aber auch dazu, dass wir voran gehen und uns durch die Angst, die die neue Situation zunächst in vielen von uns ausgelöst hat, einem Tatendrang weicht, der die wirtschaft wieder aufleben lässt und die psychischen Folgen abmildert. Wir lernen nun, mit dem neuen Coronavirus zu leben.

Auf mich hört ja keiner, aber ich habe so ein paar Dinge auf meinem Wunschzettel stehen, die ich hier mal aufzählen möchte:

  • Der Turbokapitalismus, dieses unmenschliche System muss endlich aufhören, denn unser Planet ist endlich und ständiger Wirtschaftswachstum ist vollkommen unmöglich, ohne den Planeten zu zerstören. Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit muss auf die Agenden der Firmen. Das geht nur mit Hilfe einschlägiger Politik.
  • Damit muss sich auch die Schere zwischen arm und reich wieder mehr schließen. Statt ein hohes Bruttoinlandsprodukt muss die Lebenszufriedenheit das Ziel sein. Dazu gehört auch, Steueroasen auszutrocknen, Steuerschlupflöcher zu schließen und den Finanzmarkt zu regulieren, und zwar weltweit.
  • Die Globalisierung sollte ein neues Mittelmaß finden. Eine wirtschaftliche Verflechtung aller Länder ist einerseits gut, denn dann gibt es weniger Anlass für Kriege. Aber muss es im Winter wirklich Erdbeeren im Supermarkt geben? Muss man wirklich nach New York über ein langes Wochenende zum shoppen fliegen? Muss wirklich die gesamte Produktion von Gütern in einem einzigen Land konzentriert sein?
  • Man darf das Gesundheitssystem nicht dem Markt überlassen, sonst haben wir irgendwann keine Geburtskliniken mehr, sondern nur noch Kliniken für Gelenkprothesen. Die Fallpauschalen müssen abgeschafft werden. Die Gesundheit der Menschen muss an erster Stelle kommen. Pflegekräfte müssen angemessen bezahlt werden. Und auch in Putzkräfte muss angesichts der multiresistenten Krankenhauskeime mehr investiert werden. Das US-amerikansiche und britische Gesundheitssystem sind KEINE Vorbilder!!!
  • Infrastruktur gehört in staatliche Hand. Die macht das in Deutschland sehr gut, wie wir bei der Wasserversorgung (noch) sehen können. Die Privatisierung muss endlich aufhören, denn hier wird das Vermögen des Volkes verhökert, das dann entweder teuer zurückgekauft werden muss oder dazu führt, dass die Infrastruktur verkommt und eine Grundversorgung abartig teuer wird. Das darf ebenfalls nicht vom Markt geregelt werden, denn bei der Grundversorgung darf es nicht um Gewinnmaximierung gehen. Zur Infrastruktur gehört: Wasserversorgung, Stromversorgung, Versorgung mit Mobilfunk und Internet, das Straßen- und Schienennetz, alles auch im ländlichen Raum. Außerdem muss eine Grundversorgung mit Wohnraum und Lebensmitteln durch die heimische Landwirtschaft gewährleistet werden. Und natürlich das Gesundheitssystem (siehe oben).
  • Die Digitalisierung muss weiter vorangetrieben werden, insbesonderer in staatlichen Stellen. Es kann nicht sein, dass ich auf dem Postweg einen Antrag stelle und nach sechs Wochen (!) dann erst die Bescheinigung erhalte, auch weil die Registrierung der Bezahlung bis zu vier Wochen (!) dauert. Was gerade in den Schulen abgeht, ist ein Trauerspiel und verschlimmert noch den Unterschied zwischen Kindern aus bildungsfernen Familien und Haushalten, in denen mehr als nur ein Notebook vorhanden sind. Der E-Perso und die E-Government-Wüste...
  • Der Klimawandel gehört mit oberster Priorität auf die politische Agenda. Sonst gibt es bald nichts mehr zu regieren.
  • Und das seit Jahrzehnten bekannte Problem der Überbevölkerung muss auch endlich weltweit angegangen werden. Die steht in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel und dem Turbokapitalismus, der unendliches Wachstum auch in der Bevölkerung braucht. Bildung, insbesondere von Mädchen, gute, medizinischer Versorgung und Zugang zu Verhütungsmitteln weltweit!
  • Weltfrieden! Den wünsche ich mir so sehr, doch wir exportieren den Tod in alle Welt und der sogenannte "Wertewesten" mit Frankreich und USA machen dabei kräftig mit. Dabei ist Krieg eine der häufigsten Fluchtursachen. Wer Krieg sät, wird also Flüchtlinge ernten. Und wenn immer mehr Menschen in Zukunft auch noch wegen dem Klimawandel und den Dürre- und Hungerskatastrophen fliehen müssen, dann wird es ungemütlich. Und wir müssen aufpassen, dass die Rivalität zwischen USA und China nicht eskaliert.

Diese Wünsche habe ich nicht erst seit der Corona-Katastrophe. Aber ich hoffe, dass durch diese Katastrophe mehr Menschen dazu veranlasst werden, sich diese Dinge ebenfalls zu wünschen und darauf hinzuarbeiten, dass sie wahr werden. Ich behalte das im Auge.

[Satire an] Und wenn wir doch eines Tages in einer neuen Weltordnung aufwachen, in der die Menschheit wieder in eine Zukunft auf einem lebenswerten Planeten blicken kann, explodiert vielleicht Beteigeuze zu einer Supernova, die man mit bloßem Auge sehen kann. Dann hat das Ende der Corona-Katastrophe auch noch einen religiösen Touch. [Satire aus]

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Absatzwirtschaft (20.03.2020): Die Welt nach Corona: Wie wir uns nach der Krise wundern werden - Zukunftsforschung: Wann kehrt alles zur Normalität zurück? Niemals!

DerStandard (04.04.2020): Nach der Corona-Krise: Was noch alles gehen könnte - von der Forderung, Ungleichheit, Rassismus oder Klimawandel mit der gleichen Vehemenz zu bekämpfen

Nachdenkseiten (13.05.2020): Werkverträge müssen endlich für illegal erklärt werden - Beispiel Schlachthöfe

ntv (18.05.2020): Schlachthöfe: Werkverträge, Subunternehmer, schlechte Arbeitsbedingungen, Niedriglöhner, Sammelunterkünfte - wird hier bald aufgeräumt?

ntv (19.05.2020): Corona-Krise lässt CO2-Ausstoß zwar absacken, aber die Wirtschaft hat sich strukturell (noch) nicht geändert

Heise (20.05.2020): Weniger Konsum für mehr Umweltschutz

Spiegel (23.05.2020): EU Green Deal-Entwurf, kaum zu glauben, wie in klimafreundliche Infrastruktur investiert werden soll, ohne Luftfahrtbranche strukturell (noch) nicht geändert

Tagesspiegel (22.05.2020): Europa muss jetzt die Wirtschaft der Zukunft aufbauen

Süddeutsche (25.05.2020): Einen Impfstoff gegen Coronaviren wie SARS-CoV zu entwickeln, war für die Pharmaindustrie finanziell nicht interessant - Finanzielle Interessen haben die Agenda der Wissenschaft zu stark geprägt

Zeit (25.05.2020): DLR forscht für traubhausgasneutralen Flugverkehr

Spiegel (27.05.2020): Leopoldina-Forscher fordern Umbau des Gesundheitssystems, weniger wirtschaftliche Maßstäbe, bedarfsgerechte Versorgung, Reserve von Schutzausrüstung, Medikamente und Medizinprodukte, Kritik an Fallpauschalen

Frankfurter Rundschau (31.05.2020): Vier Ideen für ein besseres Gesundheitssystem

Zeit (04.07.2020): Die Unfähigkeit der autoritären Männer - Rechtspopulismus an den Rand gedrängt?

Telepolis (06.07.2020): Die Energiewende nimmt Form an

Spiegel (07.07.2020): Widerstand gegen Bolsonaro - Brasilianische Firmen machen Druck gegen Regenwaldzerstörung

Zeit Campus (08.07.2020): Unser Wirtschaftssystem ist überhitzt und ausbeuterisch. Wir müssen den Neustart nach Corona nutzen, um das zu ändern.

ntv (11.07.2020): Wie viele Menschen können auf Erde leben?

Spiegel (13.07.2020): Millionäre fordern höhere Steuern - für sich selbst

Neue Zürcher Zeitung (14.07.2020): Deutschland auf Schweizer Spuren: Das geplante Lieferketten-Gesetz erhitzt die Gemüter - Einhaltung von Menschenrechtsstandards entlang internationaler Lieferketten einfordern

NachDenkSeiten (15.07.2020): Nicht der Verbraucher trägt die Schuld zu den katastrophalen Zuständen in der Fleischindustrie, Politik ist gefragt.

Allerdings werden die Schweine bei Tönnies nicht per Bolzenschuss getötet, sondern soviel ich weiß mit CO2-Gas.

NachDenkSeiten (04.08.2020): Werkverträge sollten für ALLE Branchen verboten werden, nicht nur für die Fleischindustrie

ntv (08.08.2020): Neue Wirtschaft nach Corona? "Müssen ungesunde Globalisierung zurückbauen"

Telepolis (20.08.2020): Die elende Sehnsucht nach "Normalität"

Zeit (28.08.2020): Für die Umwelt und künftige Generationen

Spiegel Paywall (09.09.2020): Das Ende des Neoliberalismus, wie wir ihn kannten

Telepolis (13.09.2020): Wirtschaften mit Plan - aber richtig

Telepolis (20.09.2020): Großzügige Umverteilung erhöht Lebenserwartung - von der Mär des Trickle-Down-Effektes

Zeit (21.09.2020): "Der Neoliberalismus hat ausgedient" (Davos - The Great Reset)



Wikipedia: European Green Deal - Keine EU-Billionen für überholte Geschäftsmodelle

Themen: Corona | Schöne neue Welt
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09.01.2012 13:04 Clicks: 37228

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