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Donnerstag, 23. Dezember 2010 19:16

Exponentialdrift - Andreas Eschbach

Und wieder hat mich ein Roman von Andreas Eschbach verschluckt, durchgekaut und nach relativ kurzer Zeit wieder in die Realität ausgespuckt. Diesmal war es [Unser Amazonstore: ] Exponentialdrift [/Amazonstore Ende]. Als ich das Vorwort von FAZ-Redakteur Frank Schirrmacher las, fand ich die Idee, einen Fortsetzungsroman für eine Sonntagszeitung zu schreiben, ... nun ja ... interessant. Aber schon im ersten Kapitel spürte ich, wie Andreas Eschbach mich in den Bann zog und nicht mehr loslies. Nach vier Jahren wacht Bernhard Abel aus einem Koma auf - vor laufenden Kameras...

Es war um mich geschehen. Zwischen den dreiseitigen Kapiteln waren die Hauptschlagzeilen der entsprechenden Woche zu lesen, so dass man ein Gefühl dafür bekam, in Welcher Zeit der Roman handelte. Es war kurz nach 9/11, während der Euroeinführung und der PISA-Studie. Und ich war verdammt froh, dass ich nicht Woche um Woche auf die nächste Ausgabe der Sonntagszeitung warten musste, sondern einfach weiterlesen konnte.

Zwei Handlungsstränge wurden miteinander verwoben. Zum einen die der Außerirdischen, die sich der Körper von Apallikern bemächtigten, um sich unter die Menschen zu mischen, und die vier Verschwörer, die mit einem genialen Coup versuchen, die Menschheit zu retten. Doch dann kam das Ende mit einer interessanten Wendung und einem Paukenschlag, der einen fahlen Geschmack hinterließ. Wie, war das etwa schon alles?

Darüber war ich auch insofern überrascht, da das Buch eigentlich noch viele Seiten hatte. Und auf diesen Seiten befand sich ein unglaublicher Schatz, nämlich das Nachwort von Andreas Eschbach höchstpersönlich im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf diesen Seiten gibt er nicht nur tiefe Einblicke in die Entstehungsgeschichte eben dieses Romans, sondern man lernt den Menschen Andreas Eschbach ebenfalls etwas kennen.

Viele Gedanken, die mir bereits beim Lesen des Buches kamen, las ich nun hier als die Gedanken von Andreas Eschbach, was mich in hohem Maße erstaunte. Ich kann mir dies nur damit erklären, dass wir wohl soetwas wie Seelenverwandte sein müssen - bis zu einem gewissen Grad, versteht sich, denn wir kennen uns schließlich nicht persönlich.

So erklärte er zum Beispiel, weshalb der Fortsetzungsroman mit Kapitel 42 endete, wie schwierig es war, sich in 3-seitigen Portionen auszudrücken und weshalb der Roman auch zu so einem plötzlichen Ende gekommen war. Er hätte gerne weitergeschrieben, genauso wie ich gerne weitergelesen hätte. Aber andererseits lässt so ein Roman, der wie ein Spotlight hin und wieder ein Licht auf die Protagonisten wirft, sehr viel Platz für Phantasie und eigene Überlegungen zum Handlungsstrang. Ich muss mich einfach daran gewöhnen, dass mir in einem Roman nicht unbedingt jedes Detail vorgekaut wird.

Außerdem lernt man Andreas Eschbach auf diesen köstlichen Seiten als Fußball-Banause kennen. Besonders amüsiert habe ich mich über seine Beschreibung, wie er sich durch das Fernsehprogramm gezappt hat, was mich wieder in meiner Meinung bestärkt hat, auch dann keinen Fernseher mehr anschaffen zu wollen, wenn die haushaltsabhängige Medienabgabe eingeführt worden ist. Er bedankt sich in gewisser Maßen für die "Geschenke des Zufalls", wie er es nennt. Das ist mein Konzept der "Bestellungen beim Universum", nur dass meine Wortwahl etwas esoterisch-durchgeknallt klingt.

Und in einer Sache möchte ich Andreas Eschbach tausendfach unterstreichen und beipflichten. Nämlich dass sein Roman [Unser Amazonstore: ] Eine Billion Dollar [/Amazonstore Ende] "jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten" etwas angeht, insbesondere Banker, Börsenmakler und Aktionäre.

Fazit: Auch wenn der Roman unglaublich plötzlich aufhört und die Handlung durchaus das Potential zu einem 700-Seiter gehabt hätte, ich mich immer noch frage, wieso der Außerirdische im Körper des Menschen es für so überaus wichtig gehalten hatte, "das Gleichgewicht zu halten", ist er mal wieder absolut lesenswert, ganz besonders natürlich auch wegen dem umfassenden und persönlichen Nachwort von Andreas Eschbach.

Themen: Bücher | Andreas Eschbach
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09.01.2012 13:04 Clicks: 138342

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