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Montag, 29. November 2010 19:36

Der Gotteswahn - Richard Dawkins

Über das Buch [Unser Amazonstore: ] Der Gotteswahn von Richard Dawkins [/Amazonstore Ende] (aber auch bei bol.de oder buecher.de, wo wir nix verdienen) bin ich eher zufällig gestolpert. Wahrscheinlich hat es mir Amassonne mit Hilfe seiner Datensammelwut mal als Vorschlag angezeigt, weil ich Bücher wie Das Jesus Video von Andreas Eschbach, Verschlusssache Jesus von Michael Baigent und Richard Leigh oder Gottes geheime Gedanken von V.J. Becker dort bestellt hatte. Die Methode der Werbung scheint also zu funktionieren. Aber ob ich mir Der Atheismus-Wahn: Eine Antwort auf Richard Dawkins und den atheistischen Fundamentalismus von Alister McGrath auch noch kaufen werde, weiß ich nicht so recht. Hm, eher nicht. Das wurde von einem Dekan geschrieben.

Okay, also der Gotteswahn... ist zumindest eine persönliche Abrechnung von Herrn Dawkins mit allen religiösen Vertretern, die ihm wohl bisher in seinem Leben begegnet sind. Hier schreibt er alle Argumente rein, die ihm gegen die Aussagen der Theologen, religiösen Menschen etc. einfallen, und das sind naturgemäßnicht wenige. Schon mal mit Zeugen Jehovas an der Haustür diskutiert? Ich sehe, du verstehst, was ich meine. Das Buch ist auch gut strukturiert und befasst sich in ziemlich wissenschaftlicher Form mit diesem Thema.

Dass es in der Bibel nur so von Übersetzungsfehlern wimmelt, hatte ich schon lange gehört. So beruht der gesamte Mythos, dass Maria als Jungfrau schwanger wurde, einem solchen Fehler, denn es hieß im Original "junge Frau". Lustige Fehler haben sich sogar als Redensarten in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingebürgert, z.B. "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass...", denn hier wurde das Wort Tau mit Kamel übersetzt. Diese beiden Wörter sind im Original sehr ähnlich, aber der Satz ergibt so übersetzt eigentlich gar keinen Sinn.

Allerdings sitzen nicht nur Christen solchen irrsinnigen Übersetzungsfehlern auf, sondern auch Moslems, denn die 72 Jungfrauen, die die Märtyrer im Jenseits erwarten, sind eigentlich nur "27 weiße Tauben von kristallener Schönheit". Dawkins fragt zu Recht, ob durch eine korrekte Übersetzung nicht der eine oder andere Terroranschlag hätte verhindert werden können.

Auch sonst ist die Bibel nicht unbedingt ein Quell von erfreulichen Lebensweisheiten und tugendhaften Empfehlungen für das menschliche Miteinander. Eher kann man behaupten, dass Shakespears Dramen Kindergutenachtgeschichten sind im Vergleich zu dem, was so in der Bibel steht. Oder wo glaubt ihr, kommt das Wort Sodomie her? Richtig, von Sodom und Gomorrha. Vielleicht sollte ich die Bibel doch einmal lesen.

Manche Dinge sind auch wirklich irrwitzig. Zum Beispiel die These, dass - wäre Jesus vor 20 Jahren getötet worden - die katholischen Schulkinder heute einen elektrischen Stuhl um den Hals tragen würden. Nur mal so am Rande. Oder wusstet ihr, dass Luther ein Antisemit war?

In einem Kapitel befasst er sich damit, warum es mit ziemlicher Sicherheit keinen Gott gibt. Das lassen wir mal so dahingestellt. Nicht alles, was wissenschaftlich klingt, muss am Ende auch von mir geschluckt werden. So finde ich seine Ausführungen über Meme etwas seltsam und las auch kurz darauf darüber etwas in Telepolis: Religion ist doch kein Virus.

Das Kapitel über die Moral fand ich widerum sehr gut, denn ich finde es nicht Richtig, wenn man Atheisten vorwirft, sie hätten keine Moral. Eigentlich finde ich, dass die atheistische Nichteinmischung in private Angelegenheiten viel moralischer ist, als das, was religiöse Gemeinschaften anstellen, wenn sie sich schwulenfeindlich oder gegen Abtreibung äußern. Und genau deshalb entlarft das Buch hier Religionen als ein Übel unserer Welt, das viel mehr Leid bringt, als wenn wir alle Atheisten wären und unser Handeln einzig unserem gesunden Menschenverstand unterstellen würden. Leider ist genau dieses Kapitel etwas kurz geraten.

Aber gut, auch die Kirchen unterliegen einem gewissen Zwang, das Angebot nach der Nachfrage zu richten, aus reinem Selbsterhaltungstrieb versteht sich. So wurden die christlichen Feste den heidnischen angepasst, um eine höhere Akzeptanz zu finden, so fällt Weihnachten in etwa mit dem Julfest, der Wintersonnenwende zusammen, sowie Ostern mit Ostara, dem Fest der Fruchtbarkeit. Wie praktisch... Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis Halloween auch noch christlich wird, denn das Fest ist einfach spaßig.

Ganz richtig finde ich Dawkins Aufruf, doch bitte seine Kinder nicht zu indoktrinieren, sondern ihnen die Freiheit zu lassen, selbst zu entscheiden, ob und wenn ja, was sie glauben möchten. Und was teilweise Kindern im Namen der Religion angetan wird, fand ich erschreckend zu lesen. Es muss ja nicht gleich das geopferte Inka-Mädchen sein.

Im letzten Kapitel befasst sich Dawkins mit Religion und Naturwissenschaft. Er nennt es nicht so, vielleicht um potentielle Leser nicht abzuschrecken, doch es ist tatsächlich eine Liebeserklärung an die Naturwissenschaften, die den Geist weitaus mehr bereichern und erfrischen können, als dies irgendeine Religion vermag. Das setzt jedoch ein gewisses naturwissenschaftliches Verständnis voraus, und damit Intelligenz und Bildung, beides Dinge, die nicht jedem gegeben sind. Womit wir eigentlich beim Kernpunkt seiner Aussage im Buch angelangt sind, nämlich dass Religion uns lehrt, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen.

Ganz persönlich hat es mich gefreut, dass er Schrödingers Gedankenexperiment mit seiner berühmten Katze, die angeblich gleichzeitig tot und lebendig ist, bis jemand in die Kiste schaut, genauso versteht wie ich: Nämlich dass Schrödinger dies als Satire gedachte hatte, um die Kopenhagener Deutung der Quantenphysik ad absurdum zu führen. Die Viele-Welten-Interpretation ist doch viel interessanter ;-)

Fazit: Durchaus lesenswert. Aber dennoch glaube ich nicht, dass man mit logischen Argumenten den Leuten religiösen Irrglauben ausreden kann. Ich denke, dass dies nur durch weltweiten Zugang zu Bildung für alle Menschen, auch und vor allem für Mädchen und Frauen, und die durch ein höheres Bildungsniveau verursachte höhere Lebensqualität für alle Menschen erreicht werden kann. Doch so lange Religion dem Machterhalt einiger weniger dient, wird sie auch genährt und in bestimmten Bevölkerungsschichten auf fruchtbaren Boden stoßen. Vielleicht erleben wir irgendwann eine Revolution, in der sich der Mensch auch von dieser Geißel befreit.

Themen: Bücher | Quantentheorie
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09.01.2012 13:04 Clicks: 557626

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