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Mittwoch, 25. November 2009 21:33

Gottes geheime Gedanken - V.J. Becker

Ich habe mal wieder bewusstseinserweiternde Drogen genommen. Äh... ich meine, ich habe mal wieder ein Buch gelesen. Und zwar [Unser Amazonstore:] Gottes geheime Gedanken - V.J. Becker [/Amazonstore Ende].

Mein letztes Buch zu dem Thema Quantenphysik war Jenseits der Quanten von Michael Talbot. Damals hatte ich moniert, dass er zwar behauptet, dass es jede Menge sogenannter paranormalen Phänomene gibt, er aber keinen Erklärungsversuch unternimmt, wie das denn mit Hilfe der Quantentheorie eventuell irgendwie irgendwann erklärbar wäre.

Letztendlich tut dies V.J. Becker ebenfalls nicht, zumindest nicht im Detail, aber er moniert, dass die Geschichten über paranormale Phänomene letztendlich nicht verifizierbar sind. In seinem Buch machte er keinen Hehl daraus, dass er offensichtlich ein Anhänger des Buddhismus ist, denn er betont immer wieder die Ähnlichkeit zwischen der Quantentheorie und dem Glauben an einen alles durchdringenden Geist.

Ich habe mit dem Buch wirklich gearbeitet, das heißt ich habe mir wichtig erscheinende Stellen neongrün markiert und immer wieder Randnotizen meiner eigenen Gedanken gemacht. Nun werde ich das Buch wohl nicht mehr verkaufen können ;-)

Markiert und gekritzelt

Ich habe einige neue Erkenntnisse gewonnen. Zum Beispiel dass man einen Teil meines Glaubens, dass Gott gleichzusetzen ist mit der Natur, als Pantheismus bezeichnet. Der Haken an der Sache ist nur, dass die Natur weder gut noch allmächtig ist. Sie ist nur wunderbar (man betrachte den Kosmos in seiner Schönheit und das Wunder des Lebens). Aber die Natur (und damit Gott) interessiert sich nicht für das Individuum. Noch greift sie bewusst in unser Leben ein. Daher kann ich auch mit der Institution Kirche nichts anfangen. (Der zweite Teil meines Glaubens ist, dass Gott ein anderes Wort für "Das Gute im Menschen" ist. Und ob wir "Gutes" tun, entscheiden wir selbst, ja sogar was wir genau als "Gutes" beurteilen. Der eine ist ehrenamtlich im DRK tätig, der andere spendet Geld an Amnesty International, der nächste arbeitet in einem sozialen Beruf und wieder ein anderer lädt den Freund seines Kindes ein, um am Wochenende für die bevorstehende Schulaufgabe zu pauken.)

Aber ich schweife vom Thema ab. Interessant fand ich auch die Idee, dass es vielleicht nur ein einziges Photon gibt, dass raum- und zeitlos sämtliche Photonenbahnen unseres Universums zieht/gezogen hat/ziehen wird. Dann wurde unser Universum in vier Paare geteilt: Elektromagnetismus, starke und schwache Kernkraft, Raumzeit und Materieenergie, wobei die Gravitation eine Sonderform darstellt. Allerdings warf sich mir hier ein ganz anderer Gedanke auf: Ist Gravitation nun eine Kraft, die durch Gravitonen übertragen wird, oder gekrümmter Raum und somit eigentlich dem zweiten Ast Raumzeit/Materieenergie zuzuordnen?

Interessant fand ich auch die vom Physiker Frank Tipler "erfundene" Zeitmaschine mit rotierenden Zylindern, die die Raumzeit so verzerren, dass man um sie herumfliegen und damit in die Vergangenheit reisen kann - theoretisch. Da fragte ich mich, ob dies auch mit einer Kugel möglich wäre, und ob die Version aus Star Trek IV, als Kirk & Co. um die Sonne flogen, um in der Zeit zurückzureisen, vielleicht doch ein klein wenig auf physikalischen Theorien beruhte.

Zum Teil ist das Buch sehr philosophisch. V.J. Becker hat meist versucht, die beschriebenen Gedanken aus der Sicht der Kopenhagener Deutung (d.h. es MUSS einen Beobachter geben, also gibt es "Gott") und aus Sicht der Viele-Welten-Theorie (Paralleluniversen) zu sehen. Allerdings verstrickt man sich mit der Kopenhagener Deutung in meinen Augen ständig in Widersprüche, weshalb ich persönlich doch eher die Viele-Welten-Theorie favorisiere. (Zum Beispiel wenn ich mit dem Auto rückwärts setze und ein Hindernis im Rückspiegel nicht beobachte, macht es trotzdem Bumm. Das Hindernis hat sich nicht in Quantenfluktuation aufgelöst, bloß weil ich es nicht beobachtet habe. Zumindest nicht schnell genug.)

Ganz spannend fand ich auch die Theorie des "denkenden Elektrons", was besagt, dass unsere Raumzeit natürlicherweise die maximale Form an Organisation und Komplexität ansteuert. Oder noch besser die Theorie von Ilya Prigogine, die besagt, dass aus eigentlich chaotischen Systemen (z.B. die Ursuppe) ohne äußere Einwirkung eine Ordnung (Dissipative Struktur, z.B. die DNA, also Leben) entsteht. Mit anderen Worten: Auf jedem Planet, auf dem diesselben Bedingungen wie auf unserer Erde herrschen, wird sich auch zwangsläufig Leben entwickelt haben/entwickeln/entwickeln werden. Leben ist also kein erstaunlicher Zufall, sondern durch die dissipative Struktur determiniert. Schade nur, dass die Wahrscheinlichkeit, mit anderen Zivilisationen in Kontakt treten zu können, derart gering ist.

Interessant fand ich auch das Literaturverzeichnis. Auch V.J. Becker hat meine Lieblingsquantentheoriebücher [Unser Amazonstore:] Auf der Suche nach Schrödingers Katze [/Amazonstore Ende] und [Unser Amazonstore:] Schrödingers Kätzchen und die Suche nach der Wirklichkeit [/Amazonstore Ende] von John Gribbin gelesen. Das Buch [Unser Amazonstore:] Das elegante Universum von Brian Greene [/Amazonstore Ende] steht ebenfalls im Literaturverzeichnis, das ich besitze, aber leider noch nicht gelesen habe. Grins, und "Jenseits der Quanten" von Michael Talbot ebenfalls.

Das Buch "Gottes geheime Gedanken" hat mir sehr gut gefallen, auch hinsichtlich der schlichten, bildhaften Erklärungen, die V.J. Becker liefert, um die komplexen Zusammenhänge der Quantenphysik zu erklären. Auch wagt er es konkret auf Phänomene wie Telepathie, Präkognition und Telekinese einzugehen. Sogar Ufologie und Astrologie finden ihren Platz :-) Viele dieser Gedankengänge sind mir bereits vertraut gewesen, doch habe ich sie noch nie in so geballter Form in einem einzigen Buch lesen dürfen.


Noch ein paar eigene Gedanken: Manchmal denke ich mir, dass die große Masse der Menschen arm dran ist, weil sie von all diesen wundersamen Vorgängen nichts weiß. Aber andererseits ist es für uns auch völlig irrelevant, da quantenmechanische Effekte nur bis zu einem Grenzwert großer Quantenzahlen (also im sehr, sehr, sehr Kleinen) überhaupt in Erscheinung treten, ebenso wie gewisse Effekte der Relativitätstheorie erst relevant werden, wenn man sich entweder der Lichtgeschwindigkeit oder einem enormen Gravitationsfeld (schwarzes Loch) nähert. Dies kommt im Alltag irgendwie nie vor, so dass die klassische Physik ihre Gültigkeit deshalb nicht verliert, weil sie eben behauptet, dass die Dinge so sind, wie sie sind, obwohl sie eigentlich meint, dass die Dinge "mit äußerster Wahrscheinlichkeit" so sind, wie sie sind. Und selbst wenn wir nur Produkte unseres Geistes sind, so müssen wir doch essen und schlafen, um leben zu können, und uns um ganz weltliche Dinge wie unseren Kontostand kümmern.

Themen: Bücher | Quantentheorie | Star Trek
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